Glücklich über einen Höhepunkt des Chopin-Festivals: Intendant Hubert Rutkowski, Pianist Jan Jiracek von Arnim, Shigeru Kawai-Botschafterin Anne-Sophie Desrez, Jan Philipp Sprick (neuer Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg) und Olaf Kirsch (Kurator der Sammlung Musikinstrumente des MKG). Foto: Lukas Anton für Chopin Festival Hamburg (hfr)

21. vs. 19. Jahrhundert – High Tech gegen historisches Hammerklavier Chopin-Festival Hamburg bietet hochinteressanten Vergleich

Das weltweit erste und einzige Festival, bei dem Konzertstücke sowohl auf historischen als auch auf modernen Flügeln gespielt werden, das Chopin Festival Hamburg, lud Ende Oktober zu seiner vierten Auflage ein. Das neuntägige Musik-Spektakel wird von der Chopin-Gesellschaft Hamburg & Sachsenwald e.V. veranstaltet und hat sich mit diesem einzigartigen Konzept in kurzer Zeit unter Klassik-Freunden in ganz Deutschland – und zusehends auch im benachbarten Ausland – einen Namen gemacht. Dadurch werden faszinierende Konzerterlebnisse erschaffen, auf denen der Kontrast der unterschiedlichen Klangwelten von damals und heute ganz neue Erfahrungen und Wahrnehmungen ermöglichen – das ist zumindest das Ziel von Festival-Intendant Professor Hubert Rutkowski. Den Part des modernen Instruments übernimmt dabei die exklusive japanische Flügelmarke Shigeru Kawai. Deren Modelle wurden auf drei Konzerten gespielt und damit eine seit 2019 frisch begonnene Tradition der Kooperation mit dem Chopin-Festival erfolgreich fortgesetzt. 

Zwei Jahrhunderte dazwischen – Brodmann-Hammerflügel vs. Shigeru Kawai
Die Gastgeber der Chopin-Gesellschaft Hamburg & Sachsenwald e.V. präsentierten dabei wieder hochkarätige Künstler, die diese besondere musikalische Herausforderung mit Begeisterung und ihrem Können meisterten. Erleichtert zeigten sich alle Beteiligten, dass in diesem Jahr das Chopin Festival nun wieder regulär vor Publikum stattfinden konnte. Zusätzlich zu den genannten Konzerten gehörten diesmal auch ein szenisches Konzert, ein Belcanto-Gesangsabend und ein Improvisationsabend zu den Programmpunkten.

Unter dem Motto KLASSIK TRIFFT ROMANTIK ging der Klavierabend mit Jan Jiracek von Arnim zuerst auf einem Brodmann-Hammerflügel (gebaut um 1815) und in der zweiten Hälfte auf einem Shigeru Kawai (SK-6, 2019) über die Bühne. Gespielt wurden Werke von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Frédéric Chopin und Franz Liszt. Aufführungsorte dieses Konzerts waren die Sammlung Historische Instrumente und der Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Das Bemerkenswerte an der Auswahl des Musikers von Arnim: eigentlich gehört es zum Konzept des Festivals, dass Pianisten eingeladen werden, die schon eine große Erfahrung mit historischen Instrumenten besitzen. Dies war aber bei dem Wiener Musikprofessor nicht der Fall, er spielt eher selten auf historischen Instrumenten. „Von Arnim hat aber unsere Einladung angenommen und diese Herausforderung akzeptiert, sich mit diesem Instrument anzufreunden. Vor allem dieser Brodmann Hammerflügel ist ein kompliziertes Instrument und darum besonders schwer darauf zu spielen. Es ist eine komplett andere Technik als die modernen Klaviere und erfordert eine andere Spielweise, das können nicht alle Pianisten“, so Prof. Hubert Rutkowski, der auch Präsident der Chopin-Gesellschaft Hamburg & Sachsenwald ist. Das Ergebnis konnte sich aber mehr als hören lassen: „Jan Jiracek von Arnim hat nur einmal darauf geübt und es hat alles wunderbar geklappt!“. 

Bitte nicht berühren! – Darauf spielen geht aber…
Der Künstler selber kam zu einem ähnlichen Fazit. Anfangs hatte er jedoch viel Respekt vor dem historischen Instrument, war doch noch bei seiner Ankunft am Vormittag des Konzerttages das Schild: „Bitte nicht berühren!“ an dem Flügel angebracht. „Das ist ja fast wie bei einem wunderschönen Oldtimer, mit dem man nicht so schnell wie mit einem modernen 911 in die Kurven fahren kann“, erzählt von Arnim schmunzelnd, „aber trotzdem eine wunderbare Erfahrung, wenn man die Sensibilität dafür hat“. Dementsprechend habe er sich besonders bemüht, den Brodmann-Flügel ganz behutsam zu spielen, doch im letzten Satz von Beethovens Mondschein-Sonate musste er „wirklich an die Grenzen gehen, da wurde es dann schon sehr intensiv“. Im zweiten Teil des Abends konnte dann die moderne Instrumentenbautechnik bewundert werden, bei der Ballade von Franz Liszt wurden die orchestralen Farben des modernen Shigeru Kawai-Flügels vollends ausgenutzt. „Da habe ich ja auch ganz bewusst die eingesetzten Effekte, wie von Liszt gefordert, bei teilweise sehr lauten Passagen die immense Klangfülle demonstriert“, so der Pianist. Eine passende Anekdote fällt von Arnim dazu auch ein: „Am Anfang seiner Karriere hatte Franz Liszt offenbar noch in seinen Verträgen, dass hinter der Bühne ein Zweitinstrument stehen sollte, für den Fall, dass er das erste kaputt spielen würde…. Mit dem Shigeru Kawai gab es in dieser Hinsicht natürlich keinerlei Probleme, das ist ein sehr robustes Instrument mit einem imponierenden Klangkörper“. 

Die Experten-Ohren von Prof. Rutkowski bestätigten diesen Eindruck: „Das Niveau des Shigeru Kawai-Flügels ist absolut topp, alle großen Pianisten, die auf Konzerten damit spielen, sind sehr zufrieden damit. Für mich persönlich hat der Shigeru Kawai eine besondere Intimität in der Piano-Dynamik bei den sehr leisen Tönen. Das konnte man auch deutlich bei den Konzerten auf unserem Chopin Festival hören“.

Auch Museumsinstrumente müssen genutzt werden
Der Vergleich historisches Instrument versus moderner Flügel stößt auch bei dem international gefeierten Pianisten von Arnim auf große Sympathie. Natürlich seien die modernen Instrumente auf den ersten Blick einfach großartig und um Welten besser, zwei Jahrhunderte Fortschritt im Instrumentenbau würden sich eben bemerkbar machen, gibt er zu. „Aber umso spannender finde ich dann, von Zeit zu Zeit zurück an die ‚Quelle‘ zu gehen, um sich die Entwicklung der Klangfarben bewusst zu machen. Als Musikprofessor und Pädagoge finde ich nämlich häufig bei Studenten das Problem, dass sie wenig Schattierungen im Klang trainieren, meist ist ein Akzent einfach ’nur laut‘. Bei Beethovens Flügel ist aber ein ff oder ein Akzent vor allem auch eine emotionale Angelegenheit, weil das Instrument gar nicht so viel Klang besitzt. Sich in diese Palette von Klangfarben der Zeit Beethovens wieder reinzuhören, schult auch das grundsätzliche Hören und Verstehen seiner Musik“. Damit wird auch ein Wunsch des Kurators der Sammlung Musikinstrumente des MKG Olaf Kirsch realisiert, er ist der Meinung, dass auch Museumsinstrumente gespielt und nicht nur als Ausstellungsstücke bewundert werden sollen.

Einzigartiges Festival-Konzept setzt sich immer mehr durch 
Das Chopin-Festival ist aber auch insgesamt auf der Erfolgsspur. Das Konzept des Gegenüberstellens historischer versus moderner Instrumente kommt sehr gut an, versichert Veranstalter Rutkowski. „Alle lieben das!“, schwärmt er. Doch das ist nicht alles, auch die einmalige Atmosphäre des Festivals mit seinem intimen Rahmen wird von den Besuchern sehr geschätzt. Der Spiegelsaal des Museums bietet ein Salon-Feeling des 19. Jahrhunderts, das man sonst selten bei Konzertaufführungen genießen darf. „Unser Konzept und unsere einmalige Veranstaltungsstätte kommen sehr gut an und sprechen sich auch herum. Besonders freuen wir uns darüber, dass wir inzwischen Gäste aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland bei uns begrüßen dürfen und uns mit der Zeit ein wiederkehrendes Stammpublikum aufbauen konnten“, so der Intendant weiter. Diese positive Entwicklung ist umso bemerkenswerter als dieses Chopin-Festival ganz gewiss nicht unter die Kategorie Mainstream-Klassik-Festivals fällt, wie man es sonst kennt. Dieses spezielle Konzept erweist sich aber sowohl für Musik-Experten wie Nicht-Experten als attraktiv, wie sich immer mehr herausstellt.

Alle ganz happy – auch Flügelhersteller Shigeru Kawai
Der Kooperationspartner Shigeru Kawai zeigt sich ebenfalls sehr zufrieden mit dem Konzept und der Durchführung des Festivals. „Alle Konzerte mit unserer Beteiligung, außer Jan Jiracek von Arnim auch die mit Zuzanna Pietrzak und Severin von Eckardstein, verliefen sehr erfolgreich. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir unsere Marke im Rahmen eines so hoffnungsvoll nach oben strebenden Musikfestivals präsentieren können“, bilanziert Anne-Sophie Desrez, Markenbotschafterin von Shigeru Kawai in Europa. Sie hielt vor dem zweiten Teil des Konzerts unten im Spiegelsaal eine Einführungsrede und erläuterte dabei einige Details und Besonderheiten der hochwertigen Produktlinie Shigeru Kawai. Nach dem Auftritt des Pianisten konnte  Desrez sich noch mit Besuchern über das Thema unterhalten: „Es war hoch interessant, den direkten Kontakt mit dem Publikum zu bekommen. Ich persönlich hatte das Konzert von Jan Jiracek von Arnim sehr genossen und darum war es schön zu hören, dass das Publikum dies ebenso empfunden hat. In den Gesprächen habe ich nur positive Rückmeldungen über den Klang des Shigeru Kawai Flügels erhalten“.

Text von Cetin Yaman

 

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