Die Höhen und Tiefen des Kemal Üres

Der Hamburger Unternehmer Kemal Üres hat sich eine erfolgreiche Karriere aufgebaut. Aus seiner süddeutschen Heimat machte er sich mit 19 Jahren auf nach Hamburg. Nach seiner kaufmännischen und gastronomischen Ausbildung arbeitete er sich rasch in der Hamburger Hotellerie und Gastronomie nach oben. Er war der jüngste Abteilungsmanager im Park Hyatt Hotel, kaufte mit Anfang 20 die Eimsbütteler Kultkneipe La Paz, bevor er an einen psychischen Tiefpunkt gelangte. Er kam mit Burnout in eine Klinik, ein Tiefpunkt in seinem Leben, doch zugleich ein Wendepunkt, der ihm half, Erfolg und seine Seele miteinander zu versöhnen. Und er nutze die Zeit produktiv, entwickelte ein Konzept für Systemgastronomie. Daraus entstand die DAILY – You Coffee & Food Company, die gesundes Essen für Büros, Unternehmen und Kitas produziert, bis zu 6.000 Gerichte werden heute täglich frisch zubereitet. Heute ist Kemal Üres nicht nur erfolgreicher Unternehmer mit unterschiedlichen Firmen und Beteiligungen, er ist auch Business Angel und mit seinem ersten Titel „Erfolg. Nicht ohne meine Seele“ nun auch Ratgeberautor. Das La Paz begleitet Kemal Üres weiter: im Sommer hat er es nach aufwändiger Renovierung und einem Fokus auf anspruchsvoller spanischer Küche wieder eröffnet und die Herzen der Hamburger im Sturm erobert.

Offen mit den Schattenseiten umgehen

Kemal Üres‘ unbändiger Willen zum Erfolg hatte auch Schattenseiten: Er war ein Getriebener, bis nichts mehr ging – wirtschaftlich erfolgreich und ein vermeintliches Traumleben führend, klappte er an einem Sonntagmorgen im Jahr 2014 zusammen: Er litt unter Depressionen und Angstzuständen, begab sich schließlich in therapeutische Behandlung. Als Konsequenz aus diesen Erlebnissen orientierte er sich auch beruflich in Richtung Beratung und Coaching. Mit der Eisberg-Seminare GmbH und als Speaker gibt er seine Erfahrungen zu den Themen Unternehmensentwicklung, Positionierung und Megatrends weiter. In seinem nun erschienenen Buch “Erfolg? – nicht ohne meine Seele” setzt er sich mit seinem Lebensweg auseinander und will den Lesern Tipps an die Hand geben.

-Was hat Sie bewegt, Ihre Geschichte zu teilen? Gab es einen konkreten Anlass?

Ich habe eine Speech geschrieben, in der es um meine Höhen und Tiefen als Unternehmer ging und die kam so gut an, dass ich sie gerne mit einem größeren Publikum teilen wollte. Dann kam Corona und ich habe gemerkt, dass viele Menschen ins Bodenlose fallen wenn ihnen das Außen wegbricht, weil die Beschäftigung mit dem Inneren nie gemacht wurde. Das kannte ich ja aus eigener Erfahrung und wusste, wie ich helfen kann. Mit dem Teilen meiner persönlichen Erlebnisse und depressiven Phasen möchte ich anderen die Angst nehmen, seelische Themen und Nöte zu verheimlichen. In Kombination mit Einordnung, Reflektionen und Übungen gebe ich meinen Leserinnen und Lesern ein wirkungsvolles Instrument an die Hand, um das Innere und Äußere in Einklang zu bringen und so wahren nachhaltigen Erfolg zu erfahren.

-Wie balancieren Sie Berufs- und Privatleben?

Indem ich achtsam bin, mir regelmäßige Auszeiten gönne und all die Dinge lebe, die für meine Seele gut sind. Das sind meine täglichen Rituale wie eine Meditation am Morgen gefolgt von etwas Sport samt kalter Dusche und einer Reflektion über das Erlebte sowie die drei Ziele, die ich mir für den Tag setze. Dazu gehört auch das Zusammensein mit den Menschen und Wegbegleitern, die ich liebe und schätze, anderen zu helfen. Und auch eine gewisse Konsequenz in der Abgrenzung und Präsenz im Jetzt: Wenn ich im Job bin, gebe ich alles, wenn ich privat bin, dann fokussiere ich mich vollständig darauf. 

-Gibt es ihrer Erfahrung nach Strategien, um bei psychischen Problemen Rückfällen in schwere Phasen vorzubeugen?

Auf jeden Fall. Wenn man merkt, dass man nicht mehr rund läuft, gereizt und träge ist, nicht mehr aus dem Bett oder zur Ruhe kommt, dann empfehle ich eins: Sprechen. Mit dem Umfeld aber auch mit einem Arzt und Therapeuten oder Coach. Gesprächstherapie hilft unglaublich und umso früher man damit startet, umso besser und schneller kann man etwas ändern. Wenn man es lange schleifen ist, muss man häufig zusätzlich zur Gesprächstherapie Medikamente nehmen und sich für Wochen oder sogar Monate völlig aus dem Alltag rausziehen, um eine Veränderung schaffen zu können.

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