Genau hingeschaut

Model und Polizist Jens F.  Über das Modeln als Neben-oder Hauptberuf

In der letzten Ausgabe habe ich der Cityglow ein Interview über mich und meine Person gegeben, was für mich zugleich auch mein Coming-out war. Denn bislang wusste niemand, dass ich hauptberuflich Polizeibeamter bin und nebenberuflich seit 15 Jahren als Model arbeite.

 

Aber wie lässt sich das vereinbaren und was gehört eigentlich dazu, um Model zu sein?

Ich bekomme immer wieder genau diese Fragen gestellt: „Mensch Jens, was muss ich machen, um als Model Geld verdienen zu können und wie komme ich an Aufträge?“

 

Erst einmal muss ich grundsätzlich sagen, dass das Modeln seither immer mit einem Mythos und unwahren Gerüchten behaftet ist. Ich höre immer wieder, dass man nur Modeln kann, wenn man in den Augen anderer als „schön“ gilt und eine entsprechende Figur hat. Dies ist absoluter Quatsch und einfach falsch.

 

Ich arbeite immer wieder mit Menschen zusammen, die ganz normale Menschen abbilden und den Durchschnittstyp unserer Gesellschaft darstellen. Außerdem gibt es weltweit unzählige Models, die extravagant sind und oftmals sogar nicht als „schön“ beziehungsweise „hübsch“ betrachtet werden. Und das ist auch völlig ok, denn die Gesellschaft möchte nicht mehr den Eindruck vermittelt bekommen, dass jeder „schön“ ist oder „schön“ zu sein hat, zumal das einfach auch nicht zutrifft. Schönheit liegt ja auch bekanntlich im Auge des Betrachters.

 

In der Werbebranche werden die Typen verlangt, die eben auch den Durchschnitt unserer Gesellschaft abbilden, was oftmals als „Commercial“ bezeichnet wird. Daher auch der Begriff Commercial Model, zu denen ich auch zähle. Was aber nicht bedeutet, dass man schlechter oder besser bezahlt wird. Vielmehr geht es darum, als Model breit aufgestellt zu sein. Deckt man nur eine Nische ab, so wird es schwierig dauerhaft gebucht zu werden.

 

Ich selbst arbeite in den Bereichen Sport/Fitness, Commercial, Fashion, Laufsteg und Outdoor/Adventure. Somit bin ich sehr breit und vielfältig aufgestellt.

In all diesen Bereichen habe ich bereits viele Jahre Erfahrung und möchte diese natürlich weiterhin ausbauen, weil es mir einfach riesig Spaß macht.

Mir wäre es langfristig zu langweilig, nur eine Sparte abzudecken und am Set grundsätzlich immer das Gleiche zu machen.

 

Mein Tipp lautet daher: Sei vielfältig, stell dich breit auf und mache aus dir ein Multitalent, so wirst du ganz sicher aus verschiedenen Richtungen entsprechende Anfragen und Aufträge erhalten.

 

 

 

 

Aber funktioniert das Ganze denn nebenberuflich oder gar hauptberuflich?

Ich modele nun seit 15 Jahren nebenberuflich und betrachte es als ein sehr gutes Nebeneinkommen. Wichtig ist, dass man vor der Aufnahme einer Nebentätigkeit mit seinem Hauptarbeitgeber darüber spricht.

 

Klar lässt sich das Ganze auch hauptberuflich gestalten, jedoch war für mich das Risiko bislang zu groß, um dauerhaft und fortlaufend Aufträge zu bekommen und auch meine Rechnungen davon zahlen zu können. Denn eines muss jedem klar sein: die Aufträge kommen nicht kontinuierlich oder beständig rein, sodass du dauerhaft mit ebendiesen Einnahmen rechnen kannst. Somit sind deine Einnahmen teils schwer kalkulierbar.

 

Diese Einnahmen sind für mich bislang ein guter Nebenverdienst, der auf mein Festgehalt als Polizist on top kommt. So kann ich immer mit meinem festen Gehalt rechnen und die Nebeneinkünfte zur Seite legen oder sie für andere schöne Dinge verwenden.

 

Aber klar, ich habe auch viele Bekannte, die das Modeln hauptberuflich ausüben; das kann auch wunderbar funktionieren. Zumal man hier vom Kopf und vom Zeitmanagement viel freier ist und spontan auf Anfragen reagieren kann.

Dies war mir oftmals nicht möglich, da immer dann Aufträge reinkamen, wenn ich im Dienst war, darüber habe ich mich natürlich häufig geärgert.

 

Willst du es also hauptberuflich versuchen, so solltest du auch Durststrecken mit einplanen und dir immer Geld zur Seite legen. Da ich das Modeln nun seit 15 Jahren nebenberuflich mache, kommt für mich jetzt definitiv auch mal die hauptberufliche Schiene in Betracht.

 

Aber was soll ich denn grundsätzlich mitbringen, um Modeln zu können? Sei immer engagiert und zuvorkommend, sowohl bei der Bewerbung bei den Agenturen als auch später am Set beim Kunden. Disziplin ist nicht nur das Stichwort in Punkto Pünktlichkeit, sondern auch bei Körper, Geist und Seele. Ich versuche mich immer weitestgehend gut zu ernähren und gehe vier bis sechs Mal in der Woche zum Sport. Dies gibt mir die nötige Kraft und Selbstdisziplin für die Aufträge.

 

Darüber hinaus solltest du auf dein Äußeres achten. Bitte trete immer gepflegt auf und komm nicht mit Badelatschen und einem Jogger zum Casting oder ans Set. Halte regelmäßig Kontakt zu deinen Agenturen und den Kunden. Ich schicke immer wieder mal eine E-Mail mit neuen Bildern von mir raus, das hilft ungemein.

 

Und hier ein ganz wichtiger Punkt: sollte dich eine Agentur bei deiner Bewerbung ablehnen, gebe nicht gleich auf. Ab zur nächsten Agentur, da hast du vielleicht mehr Glück.

 

Für jedes Gesicht gibt es da draußen die passende Agentur, davon bin ich zu einhundert Prozent überzeugt. Das Zeug zum Modeln hat sicher nicht jeder, aber glaube an dich und verfolge diesen Traum, wenn es dein Traum ist!

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