Kery Fay; Foto: Cetin Yaman

Madonna aus der HafenCity

Kery Fay setzt in 2023 zum großen Sprung an

Die Hamburger Pop-Musikszene ist sehr vielfältig und hat für aufstrebende Künstler viel zu bieten. In regelmäßigen Abständen berichten wir darum über das Geschehen und suchen uns Protagonisten aus, von denen wir glauben, dass sie den ganz großen Durchbruch schaffen. Diesmal geht es um die quirlige, in der Ukraine geborene, Sängerin Kery Fay, die in ihrer jungen Karriere schon einige Male auf sich aufmerksam machen konnte. Im Interview erzählt sie. wie sehr sie die grauenvollen Vorgänge in ihrer Heimat beschäftigen, wie sie selber in der Musik Halt findet und was sie sich für nächstes Jahr vorgenommen hat. 

Hallo Kery, magst du dich der Abwechslung halber einfach selber mal vorstellen? Was muss ich über dich wissen?

Hallo Cetin! Ich bin Kery, 33 Jahre alt, gebürtige Ukrainerin und Wahl-Hamburgerin. Ich bin in einer Musiker-Familie aufgewachsen und als ich 13 war, sind meine Eltern mit mir nach Deutschland ausgewandert. Seitdem mache ich Musik, komponiere eigene Songs, spiele Klavier, habe meine eigene Band gegründet und kann mich glücklich schätzen, ein großartiges Team zu haben, welches mich auf und hinter der Bühne unterstützt. 

Du stammst, wie du gesagt hast, aus der Ukraine und lebst seit einiger Zeit in Hamburg. Wie stark beschäftigen dich die derzeitigen schrecklichen Ereignisse in deiner Heimat? Beeinflussen sie auch deine Kreativität? Wie schaffst du es, dich davon frei zu machen?

Natürlich nimmt mich die gesamte Situation extrem mit. Ich tausche mich regelmäßig mit meiner Familie, aber auch mit Freunden und Verwandten in der Ukraine aus. Ich versuche mein Bestes zu geben, um auf die Situation in meiner Heimat aufmerksam zu machen. Ich habe zum Beispiel ein Charity Konzert in der Hafencity – wo ich auch selber lebe – organisiert, auf dem ukrainische Familien mit Kindern Gutscheine erhielten und einen tollen Tag mit Livemusik, Essen und Trinken verbringen konnten, um ein wenig dem Alltag zu entkommen und die Sorgen zu vergessen. Besonders die dankbaren Augen der Kinder haben mich sehr glücklich gemacht! 

Was würdest du sagen: was können Künstler tun, um die Welt zu retten – oder zumindest dabei helfen, diese etwas angenehmer zu gestalten?

Uns Künstlern wurde eine große Gabe gegeben, die Menschen mit unserem Können zu begeistern und zu berühren. Natürlich können wir nicht alle Probleme der Welt lösen, aber wir können die Welt zumindest ein wenig schöner und positiver gestalten. 

Abgesehen vom laufenden Krieg in deiner Heimat: welche Emotionen und Erfahrungen beeinflussen im Allgemeinen deine künstlerische Arbeit?

Ich versuche aus allen alltäglichen Situation Kreativität für mich und meine Musik zu schöpfen. Sei es die Liebesgeschichte einer Freundin oder eine Auseinandersetzung zwischen zwei Menschen auf der Straße. Die meisten meiner Lieder handeln um die Liebe, denn ich finde, dass sie uns antreibt und uns die Kraft gibt. 

Stichwort Produzenten, die sind ja gerade in der Sparte Dance-Pop, wie du sie präsentierst, enorm wichtig: wie hast du diese bisher ausgewählt, mit wem du zusammenarbeitest?

Eigentlich ganz einfach – es muss musikalisch, aber auch menschlich einfach gut zusammen passen. Vor der Pandemie hatte ich die Produzenten meist auf Festivals, Konzerten oder in Tonstudios kennengelernt, später dann auch viel über die sozialen Netzwerke. Durch Instagram & Co. haben wir die Möglichkeit, Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Wie zum Beispiel bei meinem letzten Projekt, der Single „Feeling Alive“, die mit einem Produzenten aus Los Angeles, Cihanback, entstanden ist. Ihn habe ich über Instagram kennengelernt. Er hat mir ein Demo zugeschickt und ich habe mich direkt inspiriert gefühlt. Schon war der neue Song geboren. 

Welches Ereignis in deiner bisherigen musikalischen Karriere würdest du als das wichtigste bezeichnen?

Definitiv meinen Auftritt an Silvester 2019/2020 am Brandenburger Tor in Berlin vor über 1 Million Menschen. Das war ein unvergessliches Gefühl! 

Welche sind deine aktuellen musikalischen Projekte?

Da hab ich ein ganz großes am Start (lacht)! Ich bewerbe mich für den Eurovision Song Contest 2023. Wir haben, wie ich finde, einen großartigen Song namens „Fire“ geschrieben und ein tolles Musikvideo mit meiner Tanzcrew gedreht. Die Auswahl der Künstler für den ESC erfolgt dieses Mal über TikTok, wo man sein Video hochlädt. Drückt mir die Daumen für den Vorentscheid!

Wie gefällt dir Hamburg, was sind deine Lieblingsplätze hier?

Ich wohne direkt neben der Hafencity und fühle mich sehr wohl hier. Besonders die Elbphilharmonie hat es mir sehr angetan, dort trinke ich unter anderem gerne einen Kaffee und genieße die Aussicht oder gehe ins SPA. Ein Traum von mir ist, selbst einmal im großen Konzertsaal auf der Bühne zu stehen. 

Würdest du sagen, dass Hamburg für junge Musiker/-innen wie dich ein guter Standort ist? 

Absolut! Hamburg hat eine tolle Musikszene mit vielen großartigen Clubs und Event Locations, ist aber nicht so überlaufen wie zum Beispiel Berlin. Wobei ich persönlich auch sehr häufig in Berlin mit meiner Musik unterwegs bin. 

Und was sind deine musikalischen Pläne für die Zukunft?

Unbedingt viel neue Musik mit tollen Produzenten/DJs veröffentlichen und mal wieder ein Release-Konzert in Hamburg spielen. 

Gibt es einen Termin für deinen nächsten Auftritt in Hamburg? Wann und wo?

Ja, am 9. Dezember performe ich in Hamburg in der Kulturkirche Altona, dies ist aber eine private Veranstaltung. Im Jahr 2023 dann spätestens wieder zum Hafengeburtstag ganz öffentlich. 

Was hörst du selber „privat“ am liebsten für Musik – also, wenn du mal nicht konkret an deiner Musik arbeitest oder sie performst?

Da meine Eltern Musiker sind, haben sie extrem darauf geachtet, welche Musik ich von klein auf höre. So bin ich mit Jazz und Soul, aber auch Klassik aufgewachsen. Privat höre ich sehr gerne Sade und Jamiroquai, oder auch die Disco Boys, wenn ich Lust zu tanzen habe. 

Wie gehst du mit Social Media um? Unverzichtbar? Oder Teufelszeug und deswegen nicht mit dir zu machen?

Für mich als Musikerin absolut unverzichtbar. Selbst im Urlaub, oder beim Ausflug bin ich für meine Fans da. Ich genieße aber auch die kleinen Pausen zwischendurch, wenn es mal etwas „ruhiger“ ist und kein Konzert oder neuer Song ansteht. Dann atme ich mal durch und bin etwas weniger aktiv. Aber es kommt tatsächlich eher selten vor, da es mir auch Spaß macht, mich mit meinem Publikum zu connecten. 

Mal was ganz anderes: du möchtest jemandem mit einem selbst gekochten Essen imponieren, was bereitest du zu?

Tolle Frage, denn ich liebe Kochen! Für meine Gäste mache ich gerne einen Mix aus ukrainischen Gerichten mit europäischen Einflüssen aus Italien, Spanien oder Frankreich. “Blinis” sind eine meiner Spezialitäten. Ganz wichtig ist es für mich, dass alle satt werden und kein Essen weggeschmissen wird, sonst gibt’s Ärger! Haha! 

Und zum Schluss: du begegnest deinem 16-jährigen Ich, was sagst du ihr?

Verliere nie den Glauben an dich selbst und an die Menschen, die dich unterstützen wollen! 

Text von Cetin Yaman 

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