Neuartige Schmuckstücke aus dem „letzten Edelmetall“ Osmium bei „The Show“

Für Freunde des edlen Schmucks hat Hamburg am langen Wochenende Anfang Oktober ein wahres Highlight in petto: Beim Event „The Show“ vom 01. bis zum 03. 10. zeigen Juweliere und andere Aussteller ihre Produkte. Mit ihren Präsentationen von Uhren, Edelsteinen und weiteren Luxus-Accessoires unterscheidet sich die Boutique-Show von anderen Veranstaltungen der Branche. Eine absolute Besonderheit sind die Accessoires aus dem Stoff Osmium. 

Das „letzte Edelmetall“ bietet schier unbegrenzte Möglichkeiten

Dabei handelt es sich in seiner Reinform um ein giftiges Pulver, was aber mittels intensiver Forschung der Schweiz in einen harmlosen kristallinen Zustand gebracht werden kann, der weiß-bläulich schimmert. Es ist vielseitig einsetzbar und dient etwa als Sachwertanlage. Zu diesem Zweck wurde das deutsche Osmium-Institut gegründet. Aufgrund seiner individuellen Struktur, die hinter dem „Osmium-Identification-Code“ (OIC) gespeichert ist, lässt sich eine eventuelle Fälschung leicht erkennen. Das Material besitzt zudem die größte Dichte aller Stoffe, sodass es nicht unbemerkt mit anderen Metallen gefüllt werden kann. 

Die Sicht einer Schmuckbranchen-Insiderin

Scarlett Clauss ist als Geschäftsführerin mit ihrem Unternehmen Oslery ebenfalls bei „The Show“ vertreten und hat unter anderem Osmium-Ringe im Angebot. Wir blicken im Interview mit ihr ein wenig hinter die Kulissen des Schmuckbranche und beleuchten das Osmium als Schmuckmaterial näher.

Wie bist du auf Osmium aufmerksam geworden?

Das war eigentlich eher Zufall, oder Schicksal, wie man es nimmt (lacht). Ich habe einen Medienhintergrund und bin während eines studieninternen Praktikums beim deutschen Wissenschaftsfernsehen Herrn Wolf, dem heutigen Direktor des Instituts über den Weg gelaufen. Er erzählte mir vom letzten der Edelmetalle in seiner neuen Form. Obwohl ich in Physik und Chemie gut war, hatte ich davor noch nie etwas von Osmium gehört. Es sollte etwas geben, was noch viel seltener und wertvoller als Gold oder Diamanten ist? Noch dazu unfälschbar? Mein Interesse war geweckt und so bin ich damals für ein weiteres Praktikum (nach meinem Studium) zur Commodity Trade GmbH gewechselt. Diese wurde dann wenig später umfirmiert und umstrukturiert in das deutsche Osmium-Institut, um sich ganz und gar der Aufgabe zu widmen, das letzte Edelmetall in die internationalen Märkte zu bringen und jedem zugänglich zu machen. Vor Allem wurde Analytik und Zertifizierung in den Laboren damals gerade brandneu aufgebaut.

Im deutschen Osmium-Institut arbeite ich seit diesem Tag und bekam die Chance im damals noch kleinen Team seit Anfang 2019 mich in der Position der Vize Direktorin zu beweisen. Mittlerweile ist das internationale Team auf über 1300 Partner weltweit gewachsen, und Osmium als Sachwertanlage durchaus bekannt. 

Strategisch wurde Anfang des Jahres 2020 entschieden, dass es eine Instanz zwischen Institut und Schmuckproduzenten geben müsse, um gezielt zu schulen und die Herstellung von Schmuckserien zu unterstützen. Mit dem gesammelten Fachwissen gründete ich die Oslery GmbH (OSmium jeweLRY) zu diesem Zweck. 

Anfang noch fokussiert auf die Herstellung einzelner Schmuckstücke, beschäftigt sich mein Team heute  hauptsächlich mit  Vorträgen in Fachbereichen, Unterstützung von Gutachtern sowie der Inlayproduktionen. 

Die im Osmium-Institut vergebenen X-Codes, also Schmuckcodes, für die internationale Osmium Datenbank, werden von dem neuen Unternehmen verwaltet. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Anbietern am schnell wachsenden Markt.

Wir übernehmen dabei als eine der Hauptaufgaben auch Anfragesteller mit Designern und Herstellern von Klein- und Großserien. 

Welche Eigenschaften machen Osmium geeignet für Schmuck?

Nun, vor allem seine Optik (lacht). Ich bin eine Frau, ich liebe Diamanten und Edelsteine, muss aber sagen, dass kristallines Osmium ihnen allen den Rang abläuft. Es ist einfach atemberaubend schön, sobald das Licht drauf fällt und seine tausenden kleinen Kristalle das blaue Licht fast vollständig zurückreflektieren. Die Oberfläche gleicht einem Pavé, also einem Diamantteppich. 

Sie müssen wissen, dass beim Pavé der Preis eines Schmuckstückes durch die Arbeitszeit des Setzens der vielen kleinen Brillanten zustande, welche intrinsisch (also als Diamant selber) kaum einen Wert besitzen. 

Zum einen, weil es jeweils nur Bruchteile eines Karats sind und damit generell nicht wertvoll, zum anderen, weil der Diamantenmarkt aufgrund der synthetischen man-made Diamonds gerade nach und nach in sich zusammenbricht. 

Mit Osmium kann man eine verbesserte, sogar noch stärker funkelnde Optik erzeugen, die ebenfalls einem Teppich gleicht. Der Unterschied hier ist allerdings, dass der Wert intrinsisch ist, also im Material an sich verankert, und nicht in der Arbeitszeit des Setzens. Der Vorteil: Man hat nicht nur Schmuck, man hat auch eine Sachwertanlage im Eigentum. Und gerade das macht Osmium Schmuck interessant, denn nicht nur ist er schön, sondern gleichzeitig auch ein Alternativinvestment. 

Dies liegt vor allem daran, dass Osmium das seltenste, nicht radio-aktive Element der Welt ist. Es gibt kein Metall, welches seltener ist, denn man kann nur gut einen 1m³ aus der Erde explorieren. Das bedeutet, dass alles abbaubare Osmium in dieser Welt in einen Smart passen würde, der könnte nur nicht mehr fahren (lacht) aufgrund der hohen Dichte. Osmium ist mit 22,61g/cm³ nämlich auch das dichteste Material der Welt, also auch das schwerste. 

Zu guter Letzt aber macht die kristalline Oberfläche das Material nicht nur schön, sondern auch unfälschbar und absolut einzigartig. Denn die kristalline Oberfläche ist bei zwei Stücken, egal wie klein sie sein mögen, niemals identisch. Wir liegen bei einer höheren Wiedererkennung als bei einem menschlichen Fingerabdruck, und zwar um das 10.000-fache auf bereits einem einzigen mm². Das bedeutet, dass jedes Stück absolut einzigartig ist und nicht gefälscht werden kann. 

Zu Guter Letzt kann man sagen, dass wir im Vergleich zu Gold, Diamanten oder anderen Schmucksteinen auf einem ethisch korrekten Markt arbeiten können, was uns und den Sachanlegern ein gutes Gefühl gibt. Dies liegt einerseits an den strengen Ethical Sales und Sourcing Richtlinien des deutschen Osmium-Instituts, andererseits aber auch an dem Material an sich. 

Man kann nicht direkt nach Osmium schürfen, es ist ein Beiprodukt von Platin. Schön ist, dass die Platingruppenmetalle heutzutage von Osmium befreit werden, was für uns eine Rohstoffquelle und für die Umwelt ein Segen ist. Des Weiteren gibt es hier keine Probleme wie Ausbeutung, Kinderarbeit und co, denn die Tiefen, in denen das Platin in der Regel abgebaut wird, können nur noch mit wirklich teuren Maschinen von absoluten Profis bedient werden. Außerdem wird das Osmium-Institut nächstes Jahr CO2-neutral und wir sind bereits zu über 90% papierlos. Solche Themen sind vor allem mir persönlich wichtig, wir versuchen, ein guilt-free Gold zu werden! 

Wo liegen die Vorteile des Materials, etwa im Vergleich zu Gold und Silber oder anderen Metallen?

Das haben wir schon ein wenig angerissen. Generell ist kristallines Osmium wesentlich seltener. In 10.000 t Platinerz finden Sie gerade einmal 30 g Rohosmium, also vom Volumen her in etwa einen Zuckerwürfel, Osmium. Das bedeutet, in einem komplett mit Platinerz beladenen Güterzug mit einer Länge bis zum Horizont findet man nur etwa eine Unze des letzten Edelmetalls. 

205.000 Tonnen bereits geförderten Goldes stehen einer Menge von nur 22 Tonnen maximal zu fördernden Osmiums gegenüber. Wir sehen also, es ist außerordentlich selten. Es könnte sich zum „Tauschmittel“ für Superreiche in gleicher Weise entwickeln, wie es heute ein Geheimtipp unter Uhren- und Schmuckherstellern ist. Das alles spricht sehr für Osmium als Luxus-Schmuckmetall. 

Es ist in den Köpfen der Staatenlenker, Family-Offices und Sachkapitalanleger angekommen. Denn es besitzt eine unfassbar hohe Wertdichte. Mit Osmium kann man den Wert eines Einfamilienhauses in der Hosentasche herumtragen. Für Gold oder Silber benötigen Sie im Gegenwert eher eine Schubkarre. Sie sehen also, wenn es darum geht, schnell Werte mitnehmen zu können und Sie auf möglichst kleinem Raum zu transportieren oder zu verstauen, spielt Osmium ganz vorne mit. 

Gibt es viele Kunden, die Osmium neu kennenlernen, oder ist es bereits weit verbreitet?

Nun, seit 2014 wird Osmium in den Markt eingeführt. Anfangs kannte außerhalb der Wissenschaft kaum jemand Osmium. Mittlerweile, also nach einigen Jahren intensiver Arbeit sowohl national als auch international, beginnt das Blatt sich zu wenden. Bitte bedenken Sie, dass trotz all der Partner und der Erfolge, wir alle in einem recht jungen Markt operieren. 

Osmium kann man erst seit 2013 kristallisieren. Das deutsche Osmium-Institut wurde 2017 auf Osmium Analytik umgestellt und damit begannen Zertifizierung und internationale Markteinführung. Leider hatten wir direkt nach der Oslery Gründung auch gleich mit Covid zu kämpfen und alle internationalen Reisen wurden auf Eis gelegt. Also ist alles noch brandneu, gerade wenn man von Schmuck- und Luxusanwendungen spricht. Aber wir sehen, dass es rasant wächst. Wir gewinnen immer mehr Goldschmiede und Juweliere, die auf den Trend aufspringen, eine Chance sehen und eine Diamantalternative und -ergänzung suchen. 

Sogar einige interessante Sonderfelder haben sich ergeben. Es gibt mittlerweile Kopfhörer mit Osmium-Besatz, die im Bereich 30.000,- € bis 150.000,- € liegen, es gibt die in der Herstellung teuerste Violine aller Zeiten, die mit über 600 Einzelstücken Osmium besetzt ist und Luxusmarken wie Hublot, Ulysse Nardin oder Czapek haben es in ihren Uhren verbaut. Einige große Marken denken über eine eigene Luxuslinie mit Osmium-Logo für Accessoires nach. 

Ich denke, dass wir nun aus der Nische heraus Mainstream werden können, denn es gibt einfach nicht viel Osmium. Denn aufgrund der Seltenheit, Unfälschbarkeit und eben der einzigartig schönen Oberfläche sowie der langsam entstehenden Lücke des „Girls best friend“, die es zu füllen gilt, bin ich überzeugt davon, dass wir vor gewaltig viel Potenzial stehen.

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