Kiezgrößen, Pilzköpfe und der Salon Harry

Eine Querstraße von der Reeperbahn entfernt liegt ein echtes Urgestein des Kiez. Ein von außen relativ kleiner und fast schon bescheiden wirkendes Ladengeschäft inmitten eines Viertels voller Kneipen, Bars und Unternehmen aller Couleur.
Seit 1906 findet man in bester Lage Harrys Salon. Bereits auf alten schwarz weiß Aufnahmen aus Kaiserszeiten taucht das alte Aushängeschild immer wieder als kleines Detail auf.
Betritt man das Allerheiligste von Franz und Ute Stenzel so ist es wie eine Reise durch die Zeit. Mahagoniverkleidungen an den Wänden und um die antiken Spiegel geben dem Salon den Flair vergangener und goldener Zeiten. Auf den ledergebundenen Friseurstühlen saßen bereits Kiezgrößen, Prominente aus aller Welt und jede Menge anderer Menschen.
Die Wände und Boards sind angefüllt mit Erinnerungsstücken an berühmte Klienten und allerlei Handwerkszeug eines guten Friseurmeisters.
Betont wird hier auch: Wir sind kein Barbershop. Im Hause Harry wurden schon immer Männer und Frauen. Turmfrisuren und Bärte gemacht.
Oder im Falle der Beatles den weltberühmten Pilzkopf. Die Frisur die ganzen Generationen bewegte und spaltete. Exakt die Gruppe, die bis heute hin Weltrekorde mit verkauften Platten und Tournen um die ganze Welt feierte, kam vor einem Fotoshooting in den Saloon an der Davidstraße.
Während er von alten Geschichten berichtet, richtet Franz stets seinen makellos gepflegten Oberlippenbart. Praktisch sein Markenzeichen.
Vor über 50 Jahren verschlug den gebürtigen Danziger nach Hamburg. Vom Leistungssport Ringen wechselte er dann zur Schere.
Viele Jahre arbeitete er als Angestellter in Harrys Saloon bevor er den Saloon als bereits vierter Besitzer seit dem Zweiten Weltkrieg übernah.
Stolz präsentiert er uns sein Gästebuch und ermöglichte uns einen kleinen Besuch im Keller. Dort ist Teil der historischen Einrichtung des Saloons durch sein Zutun erhalten geblieben.
Ein Stück Museum mitten auf dem Kiez. Dort nahmen wir auf dem Stuhl, auf dem bereits Paul McCartney oder Ringo saßen, eine Massage.
Von neumodischen Bartölen oder dem Überstyling vieler heutiger Stylisten hält man hier nichts.
Man bekommt echtes Handwerk und jahrzehntelange Erfahrung. Seit bald 40 Jahren kommt das How is How der Stadt zu den beiden. Man schätzt die beiden für ihr Können aber auch ihre authentische und unverblümte Art. Ein Schlag echter Hamburger. 

Salon Harry

Davidstr. 23, Hamburg

040 315591 

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